Dividendenstrategie (3/6) – Finanzielles Unwissen und der Grad des Glaubens in der Kapitalanlage

Was ist wichtiger: theoretische Modelle, oder reale Beobachtungen? Kritik an Schlaubergern und Fundamentalisten

In einem multioptionalen, multivatiaten System mit monokausalen Studien zu argumentieren kann nicht funktionieren.

Inhaltsverzeichnis Thema Dividendenstrategien

Zu dieser Artikelserie gehören 6 Beiträge:

  1. Grundlagen
  2. Einfluss von Dividenden auf den Aktienkurs
  3. Exkurs: Finanzielles Unwissen der Deutschen
  4. Gründe gegen Dividendenstrategien
  5. Gründe für Dividendenstrategien
  6. 3 Dividendenstrategien im Überblick

Nach ersten Recherchen rund um das Thema Dividendenstrategie wurde mir schnell klar: Es wird viel gestritten. Sehr viel. Der neuerlich (wieder) aufkommende Hype rund um Dividendenaktien teilt die Nation in zwei feindlich gesinnte Lager, die versuchen sich gegenseitig mit Argumenten zu bombardieren, bis einer genervt das Weite sucht.

Eigentlich wollte ich diesen Beitrag sehr neutral halten und beide Seiten (Pro und Contra Dividendenstrategie) unkommentiert gegenüberstellen. Während meiner Arbeit wurde mir aber immer klarer, dass viele Argumente, die von der Contra-Seite angebracht werden leider lediglich theoretischer Natur sind und meinem persönlichen Faktencheck nicht standhalten konnten.

Es lässt sich darüber streiten, ob das nun aufgrund meiner Ungenauigkeiten, Betrachtungszeiträume, oder Märkte geschehen konnte, oder ob sich die vehementesten Kritiker der Dividendenstrategien (die Schlauberger) vielleicht zu theoretisch an das Thema herangewagt haben.

Meine persönliche Beobachtung ist, dass vor allem Menschen mit besonders theorielastiger Fokussierung und universitärem Hintergrund bei Finanzthemen massive Probleme haben. Häufig werden zur Begründung Studien herangezogen, die „ja eindeutig beweisen, dass dies-oder-das so gar nicht geht“… Z.B. glauben sie vermehrt an die Markteffizienzhypothese und ähnliche theoretische Konstrukte. Die sind zwar zweifelsohne aussagekräftig für ihren Fokus, aber durch vereinfachte Modell-Annahmen erstmal nur für das Modell gültig. Um nicht zu sagen realitätsfern.

Auch bei Untersuchungen zu bestimmten Anlagestrategien muss man sehr, sehr vorsichtig sein, um nicht einem fatalen Irrtum aufzusitzen: Es handelt sich bei vielen empirischen Untersuchungen keineswegs um die Verifizierung der Unmöglichkeit des zu Beweisenden, sondern lediglich um eine Falsifizierung unter den ganz bestimmten gewählten Bedingungen. Das sollte eigentlich jedem ansatzweise wissenschaftlich & finanziell interessierten Betrachter klar sein. Ist es nur leider in sehr vielen Fällen in Bezug auf die Finanzwelt nicht.

Da werden dann gerne unreflektiert und pauschal Behauptungen aufstellen, wie etwa „Kapitalanlage ist ein gefährliches Glücksspiel“, „Aktienkurse sind willkürlich“ oder „Niemand kann den Markt schlagen“.

Wäre diese Personengruppe jetzt besonders versiert und erfolgreich im Bereich der Investments, würde ich wohl kapitulieren und die Hände heben. Meine Beobachtung durch Unterhaltungen mit Vertretern dieser Gruppe über allgemeines Finanzwissen legen aber in der Regel die Vermutung nahe, dass hinter der Kulisse des intellektuellen Zweiflers oft einfach nur so viel finanzielles Fachwissen steckt, wie Algebra-Kenntnisse in einem Zweitklässler: Es herrscht Angst vor der großen Unbekannten.

Doch auch bei den fundamentalen Dividendenstrategen (um nicht zu sagen „Jüngern“) ist nicht alles Gold, was glänzt. Viel zu viele sehen die Dividende als einen Ersatzzins. Ein Vertrag zwischen Aktionär und Unternehmen, der auf Gedeih und Verderb aufrechtzuerhalten ist. Das ist aber blauäugig, wenn nicht sogar fahrlässig und entsteht auch hier durch zu geringes Fachwissen über Geld und Kapitalmärkte.

Jemand, der auf Dividendenaktien setzt, kann nicht einfach nur Aktien mit hohen Dividendenausschüttungen kaufen und ist dann in 40 Jahren aus dem Schneider (Ausnahmen bestätigen zum Glück die Regel, darauf gehe ich in den Gründen FÜR die Dividendenstrategie noch ein). Zu vieles kann und WIRD passieren, worauf die korrekte Reaktion folgen MUSS. Und das bedeutet, dass man sich genau im Klaren darüber sein sollte, was man tut.

Das funktioniert nur dann, wenn man nicht nur Wissen über die fundamentalen Ideen der Dividendenstrategie hat, sondern sich auch in anderen Bereichen weiterbildet: Etwa in der technischen Analyse, wie z.B. Dow-Theorie (Trendaufbau) oder Charttechnik (wie Stopp-Loss-Regeln).

Um die Aussage dieses Abschnitts auf den Punkt zu bringen: Egal um welches Thema es sich handelt, Insel-Wissen ist immer gefährlich. Wer es nicht versteht das Gehörte und Gelesene in den richtigen Kontext zu stellen, weil der Rest des Themas eine diffuse Wolke der Unkenntnis ist, der wird früher oder später sehr tief fallen. Bezogen auf den Kapital- und Investmentmarkt in Deutschland steht die überwältigende Mehrheit der Menschen in dichtem Nebel. Sie müssen glauben, was ihnen andere zurufen. Und allzu gerne glaubt man dann das Gehörte, wenn man davon überzeugt ist, dass der rufende ein Experte ist…

… btw: glaubst Du mir etwa, was ich hier schreibe? 😉

Bildnachweise: Lehrer oder Student vor Tafel CC0 by Alexas_Fotos - pixabay.com;