Trendfolgestrategien – The Trend is your friend!

So macht man sich die allgemeine Stimmung zu Nutze und bleibt dabei cool

Trendfolgestrategien gelten eher als konservativere Trading-Strategie. Sie sind vor allem in trendstarken Märkten erfolgreich.

Während einige Trader versuchen Trendwenden abzupassen und daraus maximalen Profit zu schlagen (wie etwa Swing-Trader), geht der Trendfolger erst in den Markt, wenn er einen Trend erkannt hat. Die Trendfolgestrategie liefert auch bei Trading-Anfängern gute Ergebnisse. Denn: die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein korrekt erkannter Trend fortsetzt, ist höher als dass er bricht.

In diesem Beitrag erfährst du, was Trendfolge ist, für wen sie geeignet ist, wann charttechnische Einstiegs und Ausstiegssignale entstehen, welche Märkte man handeln kann und zu guter Letzt auch, wie eine Trendfolgestrategie für langfristig orientierte Investoren aussehen kann.

Definition – Was ist Trendfolge

Jeder weiß, was ein Trend umgangssprachlich ist. Nämlich „die grundsätzliche Richtung, in die sich etwas entwickelt“. Auch an der Börse ist damit die tendenzielle Entwicklung eines Wertpapiers oder anderen Instruments gemeint.

In der „realen“ Welt gibt es allerdings oft keine festen Anhaltspunkte, um einen Trend zu definieren. Häufig gibt es einen „gefühlten Trend“, der nicht unbedingt der Realität entsprechen muss. Das ist am Finanzmarkt anders. Hier ist mindestens eine feste Definition gegeben, wann ein Trend besteht.

Trendbestimmung mittels Markttechnik

Abb 1: Trendbestimmung mittels Markttechnik

Ein Aufwärtstrend ist eine Kurskonstellation, wo der Tiefpunkt einer vorigen Schwankung niedriger ist, als der Tiefpunkt der aktuellen Schwankung. Zusätzlich muss der Hochpunkt der vorigen Schwankung niedriger sein, als der Hochpunkt der aktuellen Schwankung.

Ein Abwärtstrend wiederum zeichnet sich fallende Hoch- und Tiefpunkte einer Schwankungs-Amplitude aus.

Auch ein Seitwärtstrend ist möglich. Hier sind Hoch- und Tiefpunkte auf einer Linie.

Für wen ist eine Trendfolgestrategie geeignet?

Die Trendfolgestrategie ist vorranging eine Trading-Strategie. Damit kommen vor allem Menschen zurecht, die aktiv an der Börse handeln. Basis ist also die Charttechnik, der Fokus liegt auf technischen Aspekten und ist erstmal nicht fundamental begründet.

Wie wir später noch sehen werden kann die Trendfolgestrategie sehr viele unterschiedliche Ausprägungen annehmen und ist auf vielen Zeitebenen durchführbar. Daher kann sie auch ein Investor nutzen, der technische Grundlagen als Entscheidungshilfe zur Verlustbegrenzung heranziehen möchte.

Gerade im langfristigen Bereich wachstumsorientierter Investoren ist der Trendfolge-Gedanke eine überaus gute Entscheidungshilfe, das Ende eines Trends zu erkennen, oder schwere Verlustmonate oder -jahre auszusitzen. Auch der richtige Einstieg am Anfang eines Trends lässt sich dank Trendfolgestrategie mit wenig Risiko handeln.

Andererseits können auch kurzfristige Trader im Minuten- oder Stundenchart mit einer Trendfolgestrategie arbeiten. Grundsätzlich gilt: Die Trendfolge kann auf jedem Markt (Aktien, Indizes, ETFs, Forex, Futures, etc.) und auf jeder Zeitebene durchgeführt werden. Je größer die Zeitebene, desto verlässlicher sind in der Regel die Signale.

Sogar bei dem Glücksspiel „binäre Optionen“ ist eine Trendfolgestrategie durchführbar. Hier sollte man allerdings extrem vorsichtig sein. Ich rate grundsätzlich von dieser Art Wette ab. Eine Strategie ist hier meist nur dann profitabel, wenn sie eine Trefferquote von 70% hat. Das ist jedoch kaum zu schaffen…

Charttechnische Bestandteile der Trendfolgestrategie, Einstiege und Ausstiege

Zunächst schauen wir uns jedoch die technischen Aspekte der Trendfolgestrategie an. Hier gibt es unterschiedliche Herangehensweisen, was Einsteige und Ausstiege angeht.

Trendfolge auf Basis der Markttechnik

In der Markttechnik wird ein Trend in Form eines 1-2-3er Musters definiert. Die folgende Erklärung basiert auf einem Aufwärtstrend, kann jedoch ebenso auf einen Abwärtstrend angewendet werden.

Trendeinstieg in der Markttechnik

Abb. 2: Trendeinstieg in der Markttechnik

Alles in der Markttechnik besteht aus den Komponenten Bewegung und Korrektur. Bei einem Aufwärtstrend ist die Linie zwischen 1 und 2 die Bewegung, zwischen 2 und 3 eine Korrektur. Der Punkt 3 ist gleichzeitig ein Punkt 1, sofern ein intakter Trend besteht. Da man nichts vorwegnehmen will, kann ein neuer Punkt 2 nur dann entstehen, wenn der letzte Punkt 2 übertroffen wurde.

Eine Abfolge mehrerer dieser Bewegungen und Korrekturen sind ein Trend. Wie lange ein solcher Trend halten kann, weiß man natürlich nicht. Er kann zwei aufeinanderfolgende Bewegungen und Korrekturen haben, er kann aber auch 5, 10, 20 oder 50 dieser Abfolgen aufweisen.

Einstieg laut Markttechnik

Der markttechnische Trendfolger erkennt einen Trend in dem Moment, wo ein Punkt 2 überschritten wurde. Da laut Definition nun der Trend eingestiegen ist, lässt sich der Trendfolger am Punkt 2 einstoppen.

Stopp-Loss, Take Profit & Ausstieg laut Markttechnik

Ist ein markttechnischer Trendfolger eingestiegen, setzt er seinen initialen Stopp-Loss kurz unter den vorigen Punkt 3. Denn genau dort würde der Trend gebrochen, sofern der Preis bis dahin zurückgeht.

Einen Take Profit, also die Schließung seiner Position, kennt der nach Markttechnik handelnde Trendfolger nicht. Er wartet solange ab, bis ein neuer Punkt 2 gesetzt wird, und zieht den Stopp-Loss nach.

Wird der Trend gebrochen, lässt er sich am Punkt 3 ausstoppen.

Wertigkeit von Signalen

Wichtig für eine erfolgreiche Trendfolge ist, dass der Markttechniker über mehrere Zeitebenen denkt. Denn: Das, was sich auf einer kleineren Zeitebene als Trend darstellt, ist auf einer größeren Ebene immer nur eine der beiden Komponenten Bewegung oder Korrektur.

Das bedeutet: Entsteht eine Trendwende auf einer kleinen Zeitebene, und diese dreht auf einer größeren Zeitebene von der Korrektur in eine Bewegung, ist die Wertigkeit des Signals höher einzustufen, als wenn sich auf der höheren Zeitebene eine Korrektur anbahnt.

Widerstands- & Unterstützungslinien

Die Markttechnik hat aber zwei kleines Mankos, die bei Tradern oft zu einem psychischen Problem werden können:

  1. Wird ein Punkt 2 übertroffen, dann ist die Bewegung schon weit fortgeschritten und der Trader befürchtet zu spät eingestiegen zu sein.
  2. Da der Stopp-Loss unter dem vorigen Punkt 3 liegt, und der Einstieg sooo spät stattgefunden hat, ist der initiale Stopp sehr weit weg. Eine Korrektur kann fast bis zum Punkt 3 zurückgehen und lässt den Trader schwitzen.

Hier liefert die Technik der Widerstände und Unterstützungen Abhilfe. Denn es ist laut Charttechniker nicht willkürlich, wohin eine Korrektur zurückgeht, sondern kann bis zu einem bestimmten Punkt „vorhergesagt“ werden. Oder zumindest lassen sich mit vertretbaren Wahrscheinlichkeiten Signifikante Punkte festlegen, die ein Chance-Risiko-Verhältnis verbessern können.

Trendlinien

Von besonderer Bedeutung sind in dem Zusammenhang die Trendlinien. Hier ist allerdings Voraussetzung, dass der Trend eindeutig eingesetzt hat, und bereits einen zweiten signifikanten Tiefpunkt ausgebildet hat. Abb. 3 zeigt das Prinzip anhand von Apple zwischen Mitte 2012 und Ende 2016 (Wochenchart).

Beispiel für Support & Resistance bei Apple

Abb. 3: Beispiel für Support & Resistance bei Apple

Die hellgrünen Linien sind Widerstandslinien, an denen der Chart mehrmals nach unten abzuprallen scheint. Die orangene Linie ist eine Unterstützungslinie, welche den Aktienkurs abzustützen scheint. Jede dieser Linien wird früher oder später gebrochen, zuvor aber auch (mehrmals) bestätigt.

Gerade bei der orangenen Unterstützungslinie wird deutlich, dass sie nicht die einzige mögliche Unterstützung sein könnte. Je nach Toleranz könnte man auch steilere Linien einzeichnen, die häufiger gebrochen werden.

Ein Einstieg in den Markt, bzw. ein Verkauf der Aktie wird in dem Moment durchgeführt, wenn der Kurs am ENDE der aktuellen Kerze, bzw. am ANFANG der nächsten Kerze auf der jeweils anderen Seite der Linie ist. Entsprechende Punkte habe ich mit Pfeilen und Label markiert.

Mit ein wenig Übung lässt sich anhand des Kursverhaltens an den Trendlinien erkennen, ob Marktteilnehmer eher bereit sind die Trendlinien als Widerstand/Unterstützung zu akzeptieren, oder ob sie ausgedient haben. Manchmal springt der Aktienkurs an solchen Bereichen regelrecht auf die andere Seite. Manchmal ist er sehr verhalten.

Im ersten Fall kann stark von einer Trendwende ausgegangen werden. Oft ist die Handelsspanne (Differenz zwischen High und Low der aktuellen Kerze) im Vergleich zu den letzten Perioden besonders groß. Der Punkt „erneuter Einstieg“ aus Abb. 3 ist ein typischer Vertreter. Es geht allerdings noch eindeutiger. Teilweise springt der Aktienkurs über dieses Niveau regelrecht hinweg. Das ist häufig bei der Veröffentlichung von Quartals- oder Jahreszahlen der Fall, die besser (oder schlechter) ausfielen als bis dahin unter den Tradern Konsens war.

Gleitende Durchschnitte

Eine alternative Art der Trendbestimmung ist, dass zwei gleitende Durchschnitte (GD) miteinander verglichen werden: Ein schneller GD (häufig der 50-Perioden-Durchschnitt) und ein langsamer GD (z.B. der 200-Perioden-Durchschnitt).

Beispiel für die Trendbestimmung mittels gleitender Durchschnitte

Abb. 4: Gleitende Durchschnitte (GD50-Tag und GD200-Tag) im Wochenchart von Apple

Befindet sich nun der GD50 unterhalb des GD200, wird von einem Abwärtstrend gesprochen. Ist der schnelle GD50 jedoch oberhalb des GD200, liegt ein Aufwärtstrend vor. Das Ganze funktioniert allerdings nur, wenn es auch tatsächlich einen Trend gibt, und sich die Aktie nicht in einem Seitwärtstrend befindet. Dann „tingelt“ der GD50 um den GD200 und löst nicht eindeutige Signale aus.

Eine Kritik an der Fokussierung auf diese Trendbestimmung liegt darin, dass eine Trendwende möglicherweise sehr spät erkannt wird. Bei stark schwankenden Kursen muss der Trader viele Gewinne wieder abgeben, bevor für ihn das Signal des Ausstiegs kommt.

Bei der groben Bestimmung des Trends werden daher unterschiedliche Berechnungen der Durchschnitte verwendet: neben einfachen gleitenden Durchschnitten (GD) gibt es auch exponentiell gleitende Durchschnitte (EMA), wo neuere Perioden überdurchschnittlich stark (exponentiell) bewertet werden. Extrem viel bringt das nicht. Und auch hier gibt es Kritik: Bei zu zappeligen Durchschnitten können schnell Fehlsignale entstehen.

Abgesehen von der Funktion der Trendbestimmung, hat der gleitende Durchschnitt aber auch eine weitere Funktion:

Zu erkennen ist, dass die 200-Tage-Linie aus Abb. 3 und Abb. 4 auch eine Art Barriere darstellt, wenn auch nicht so präzise wie die selbst eingezeichneten (und damit angepassten) Widerstandzonen. Auch der kann als Einstiegs- oder Ausstiegssignal genutzt werden.

Dabei ist zu beachten, dass es zu Signalen kommt, die bestätigt werden müssen. Ein Übertritt des EMA bedeutet nicht sofort eine Handlung. Hier gilt bei Verkäufen die 2-Perioden-Regel: Am Ende des zweiten Tages (bzw. in diesem Fall am Ende der zweiten Woche) muss der Kurs auf der falschen Seite des EMA schließen, damit ein Verkauf getriggert wird. Davor muss sich der Trader gedulden und auf das Ende der Kerze warten.

Wie zu sehen ist, lohnt sich auch ein Einstieg an solchen Bereichen. Nicht selten entscheidet sich an der 200 oder 50-Tagelinie, ob ein übergeordneter Trend weitergeht, oder bricht. Für den Trendfolger bedeutet das: Er kann dort mit einem extrem guten Chance-Risiko-Verhältnis einsteigen. Weist die 2-Perioden-Regel eine Trendwende aus, kann der Trader (meist) mit relative wenig potentiellem Verlust aussteigen.

Bestätigt sich aber eine Trendfortsetzung, sind schnell hohe Kurszuwächse drin. Man beachte dazu den Bereich um den 07./14.04.2014 für einen Long-Trade, oder November 2015 für die Short-Seite im Chart auf Abb. 4.

Fibonacci – Retracements

Speziell für Einstiege werden auch gerne sogenannte Fibonacci-Punkte genutzt. Abb. 5 zeigt einen Ausschnitt aus Abb. 3. Es handelt sich um den Zeitraum, an dem der Abwärtstrend von 2012 gebrochen wurde und sich eine Bodenbildung abzeichnete. Wir befinden uns mittlerweile im August 2013, eine Trendwende wurde absolviert, nur leider hat es der markttechnisch orientierte Trader verpasst einzusteigen. Was soll er tun?

Apple Foibonacci Retracement

Abb 5: Ein 50%-Fibonacci-Retracement im Wochenchart Apple (2013)

Er übt sich in Geduld, denn er weiß, dass nach der Bewegung eine Korrektur folgt.

Diese hat in der Regel gewisse Zielzonen, zu denen der Kurs etwa zurückgehen kann. Bildet sich ein markanter Hochpunkt aus, setzt der Trader einen sogenannten Fibonacci-Maßstab an (siehe Abb. 5). Der zeigt typische Bereiche, an denen ein Kurs wenden kann. Der häufigste Wendepunkt ist übrigens der 50% Wendepunkt. Auch die 66,67% und der 38,2% Retracements, siehe Abb. 5, sind häufig zu beobachten.

Die Fibonacci-Folge ist die unendliche Folge natürlicher Zahlen, die bemerkenswerte mathematische Besonderheiten aufweisen. Viele Menschen sind der Meinung, dass es sich hierbei um eine Art Gesetz von Wachstum handelt. Sie wird z.B. auch im Zusammenhang mit dem goldenen Schnitt verwendet.

Anhand Abb. 5 sieht man, dass die Korrektur ganz in der Nähe des 50%-Widerstandes beendet wurde und dort richtig nach oben hin abgeprallt ist. Ein Trader, der den vorigen Einstieg verpasst hat, hätte hier nun die zweite Chance auf einen Einstieg gehabt.

Anhand dieses Beispiels lässt sich zusätzlich ein weiterer interessanter Punkt darlegen:

Einstieg an Widerständen, die zu Unterstützungen wurden

Die Wende am 50% Retracement ist vielleicht nicht so zufällig passiert, wie man glauben mag. Hier lag nämlich außerdem eine horizontale Unterstützungslinie, die sich in der Bewegung vorher noch als Widerstand darstellte (graue Linie bei $ 64,53).

Beispiel Apple - merhere Unterstützungslinien

Abb. 6: Bei 64,50 US-Dollar waren mehrere Unterstützungen – die hätte man sehen können

Und nicht nur das! Es war zudem noch der Einstiegspunkt derjenigen Trader, die den Bruch der abwärts gerichteten Widerstandslinie (hellgrün) Wochen vorher handelten. Eine solche Konstellation zu erkennen ist im wahrsten Sinne des Wortes Gold wert.

Denn wer sie erkannte, der konnte einen über Jahre andauernden Aufwärtstrend von Anfang an handeln, ohne auch nur ein EINZIGES Mal auf einer Verlustposition zu sitzen. Und auch ein Buy & Hold – Investor könnte sich ein Loch in den Bauch freuen: Seine Position befindet sich jetzt (Mitte 2017), nach knapp 4 Jahren, um 139% im Plus. Ein durchschnittliches Wachstum von 25% pro Jahr.

Indikatoren

Neben dem „Chart-gemale“ hat die charttechnische Analyse auch einige geeignete Indikatoren und Oszillatoren, die bei Trendbestimmung und beim Trendhandel behilflich sein können.

Der MACD-Indikator

Klassischerweise wird der MACD herangezogen. Er ist einerseits ein Oszillator, andererseits eine Kombination von gleitenden Durchschnitten. Er besteht aus drei Komponenten: Die MACD-Linie ist ein gleitender Durchschnitt des Kurses selbst, die Signallinie wiederum ist ein gleitender Durchschnitt des vorigen GD. Sie glättet den GD und produziert damit Trendwendesignale. Das Histogramm, welches sich um eine Nulllinie bewegt, zeigt die Stärke eines Trends an.

Der MACD zur Trendbestimmung am Beispiel Tesla 2016/2017

Abb. 7: Der MACD zur Trendbestimmung am Beispiel Tesla 2016/2017

Anhand Abb. 7 werden geeignete Punkte deutlich. Befindet sich die Signallinie über dem GD, und beide sind über Null, ist ein eindeutiges Aufwärtssignal zu handeln. Vice versa ist das im Abwärtstrend.

Im Vergleich: Die normalen gleitenden Durchschnitte 50 und 200 hingegen reagieren stärker verzögert.

Der RSI – Relative Stärke Index

Der RSI ist ein oszillierender Indikator, der anzeigt, ob ein Markt eventuell überkauft, oder überverkauft ist. Er wird berechnet, indem die Kursveränderungen der Tage mit steigendem Schlusskurs und der Tage mit fallendem Schlusskurs Addiert und geglättet wird. Wer sich das genauer anschauen will, der kann das bei Wikipedia tun.

Grundsätzlich werden Aktien als überkauft angesehen, wenn der Indikator über 70 steigt, und überverkauft, wenn der RSI unter 30 fällt.

Tageschart Facebook 2015 - 2017

Abb. 8: In Trendaktien kann der RSI ein guter Trigger sein. Tageschart Facebook 2015 – 2017

Für unsere Betrachtung in Abb. 8 sind vor allem die überverkauften Bereiche Interessant. Wir sehen eine trendstarke Aktie (Facebook). Das sieht man vor allem an der EMA50-EMA200 Konstellation. Auch hier gibt es Korrekturen. Sie sind dank RSI sehr gut zu erkennen.

Hätte nun jemand den RSI < 30 als Einstiegssignal genutzt, wäre er gar nicht schlecht gefahren. Das funktioniert deswegen so gut, weil die Aktie einen eindeutigen Trend hat. In anderen Konstellationen ist dieses Signal als isoliertes Entscheidungskriterium weniger zu gebrauchen. Erst die Kombination aus mehreren Indikatoren lässt die richtigen Schlüsse zu.

Sensitivität der Signale

Kommen wir zurück auf den Einwurf, dass die aufwärtsgerichtete Trendlinie auch an anderen Stellen hätte eingezeichnet werden können, sowie auf die Trendbestimmung anhand der gleitenden Durchschnitte. Hier liegt der Zielkonflikt in der Trendfolgestrategie.

Einerseits ist der Trendfolger natürlich darum bestrebt, so wenig Kursrücksetzer wie möglich hinnehmen zu müssen, und schnell genug festzustellen, wann ein Markt dreht, andererseits muss er bei zu häufig auftretenden Signalen befürchten, dass er zu schnell (zu zittrig) einsteigt oder aussteigt. Hier gibt es keine klare Richtlinie, denn sie ist immer sehr von der Persönlichkeit des Traders und seiner gewählten Trendfolgestrategie abhängig.

Eine der vermutlich besten Möglichkeiten ist, mehrere Anhaltspunkte in seiner Strategie zu vereinen, und erst dann tätig zu werden, wenn beide Signale eine Handlung erzwingen. Dabei sollten die beiden Signale möglichst unabhängig voneinander sein.

Was bringt die Trendfolgestrategie, kann sie „den Markt schlagen“?

Diese Frage ist sehr schwer zu beantworten. Denn es gibt hier mehrere Herangehensweisen, um Sinn und Unsinn der Trendfolgestrategie zu „beweisen“.

Studien: Trendfolgestrategien sind Humbug

Viele sehr technisch orientierte Studien haben festgestellt, dass die Strategie eher unsinnig ist. Sie bringt kaum etwas, da Korrekturen häufig zwar im Geld ausgesessen werden, aber der Einstieg ungefähr zum gleichen Preis stattfindet, wie der Ausstieg. Oder der Kurs ist sogar noch schlechter. Allerdings sind hier die Grundannahmen sehr entscheidend.

Denn die allermeisten Studien berücksichtigen das System der gleitenden Durchschnitte, sowie eine zufällige Auswahl von Wertpapieren. Auf Basis dieser Annahmen ist die Trendfolgestrategie tatsächlich in den Bereich „eher schlechtes Trading“ zu platzieren. Hier müssten Annahmen verfeinert werden, die sich aber nicht so einfach technisch nachahmen lassen.

Fundamentaldaten beachten!

Das Stichwort hierbei lautet: Stock-Picking und Widerstände. Ein Stock-Picking MUSS geschehen, und zwar zu Gunsten von stark wachsenden Unternehmen, denen man eine blühende Zukunft voraussagt. Sie müssen zudem eine sehr hohe Trendstabilität aufweisen.

Eine mögliche Herangehensweise dabei ist die Auswahl nach Joel Greenblatt: Hohe Kapitalrendite und niedrige KGV-Bewertung. Aber auch viele andere Herangehensweisen können sinnvoll sein: Als klar wurde, dass Apple einen massiven Impact auf die Gesellschaft hat, hätte eine generelle Richtung des Aktienkurses vorausgesagt werden können.

Und da uns das Unterhemen bereits durch den gesamten Artikel begleitet, schauen wir uns doch einfach mal das Ergebnis eines Trendfolgers, und eines Buy & Hold-Strategen an.

Rechenbeispiel für Trendfolge am Beispiel Apple

Annahme: Beide kauften 155 Anteile am 06.05.2013 zu $ 64,50 ($ 9.997,50). Der Kurs der Apple-Aktie (05/2017) liegt aktuell (05/2017) bei $ 154,00. Es werden keine Transaktionskosten oder Dividenden berücksichtigt.

Trendfolge Buy & Hold
Datum Kurs Anzahl Depotwert Anzahl Depotwert
06.05.2013 $ 64,50 155 $ 9.997,50 155 $ 9.997,50
15.08.2015 $ 116,00 0 $ 17.980,00 155 $ 17.980,00
01.08.2016 $ 104,50 172 $ 17.974,00 155 $ 16.197,50
21.05.2017 $ 154,00 172 $ 26.488,00 155 $ 23.870,00
Gesamt: + 139 % + 165 % + 139 %

Der Buy & Hold Aktionär hält nun Apple-Aktien im Wert von $ 23.870 (Dividenden nicht eingerechnet). Das macht ein Plus von rund 139%.

Nach der Trendfolgestrategie aus Abb. 3 hätte der Trader seine Anteile am 15.08.2015 zu $116,00 veräußert. Sein Erlös betrug $ 17.980. Ein erneuter Einstieg hätte am 01.08.2016 zu $ 104,50 geschehen können. Das hätte für 172 Anteile gereicht. Sein aktueller Kontostand läge nun bei $ 26.488.

Ergebnis: Kein Top-Performer, aber sinnvoll

Das macht nach 4 Jahren eine Differenz von ca. $ 2.618, oder eine Überperformance von rund 11% gegenüber Buy & Hold. Natürlich wurden die Transaktionen nicht mitgerechnet und auch keine Dividenden.

Bedeutet das nun, dass die Trendfolgestrategie besser funktioniert hat? Naja. In diesem Fall, und hätte man genau diese Konstellation so gehandelt, ja. Aber die Differenz ist nicht wahnsinnig groß im Vergleich zum Buy & Hold. Hier könnten kleinere Abweichungen in der Handelslogik der Trendfolgestrategie schon zu anderen Ergebnissen führen. Man kann schließlich nicht die Zukunft voraussagen…

Möglich wäre allerdings auch gewesen, dass ein Trendfolger bei Apple zusätzlich Short gegangen wäre, als das eindeutig zu erkennen war. Damit wären noch einmal einige Gewinne möglich gewesen. Diese Taktik sollten aber Anfänger nicht verfolgen. Die mit Abstand beste und langfristig erfolgreichste Strategie ist die Long-Seite, bedingt durch die tendenziell besseren Wahrscheinlichkeiten (Eine Aktie kann nur 100% verlieren, aber 1.000% oder mehr gewinnen).

Was sind die Vorteile eine Trendfolgestrategie?

Eine Trendfolge-Strategie kann aus bestimmten Gründen trotzdem Sinn machen. Denn wie schon vorher erwähnt: Man kann die Zukunft nicht voraussagen.

Beispielsweise könnte Apple im Laufe der nächsten Jahre große Probleme bekommen und die Aktie verliert infolgedessen einen Großteil seines Werts. Für einen Anleger stellt sich dann immer die Frage: Wann soll man am besten Aussteigen?

Und genau da liefert die Trendfolgestrategie eine passende Antwort. Sie bietet einerseits einen guten, logischen Einstiegspunkt, der die Kursgewinnpotentiale im Vergleich zum Verlust in ein positives Verhältnis bringt. Andererseits kann die Trendfolgestrategie aber auch davor schützen eine Aktie zu lange zu halten, sodass das eigene Geld noch vor dem potentiellen Untergang eines Unternehmens vom Tisch genommen wurde.

Gerade in Krisenzeiten kann der Trendfolger vermutlich besser schlafen. Denn während alle langfristigen Investoren ohne Exit-Strategie die Baisse eisern aussitzen müssen und ihr Guthaben um 50% oder mehr verringert wird, kann ein Trendfolger früh genug „flat“ gehen, und entspannt auf die nächste Hausse warten.

Das kann sogar ein Anfänger.

Was sind die Nachteile einer Trendfolgestrategie?

Die alleinige Fokussierung auf einen Trend bringt es nicht. Um wirklich gute Performances zu erhalten, bedarf es eine sehr hohe Trendstabilität. Diese im Vorfeld herauszufinden ist nahezu unmöglich und kann deswegen nur qualitativ begründet werden. Hat die Firma das Potential sich weiter so zu entwickeln, wie sie es gerade tut? Oder sogar besser zu werden?

Besonders gut sind daher vermutlich Aktien von wachstumsorientierten Unternehmen. Das sind vor allem Small-Caps (Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung bis ca. 250 Mio Euro), aber auch Leader von Zukunftstechnologien (wie Biotech, KI, Industrie 4.0, Elektromobilität). Geht hier der langfristige Plan auf, kann man mit einer Trendfolgestrategie lange mitverdienen. Small Caps sind allerdings dafür etwas risikoreicher, als Large Caps (große Unternehmen, mit >2 Mrd. Marktkapitalisierung).

Auch scheint sich eine Trendfolgestrategie selbst bei Trendstarken Aktien nicht unbedingt als ein Super-Performer zu beweisen. Fehlsignale führen unter Umständen zu unnötigem hin und her, was zu schlechten Wiedereinstiegs-Preisen führen könnte. Dann wäre ein Buy & Hold besser.

Zwar lassen sich wie in unserem Beispiel ein paar mehr Plusprozente einfahren, sicher ist das aber keinesfalls.

Der Boost fürs Depot: Megatrends gehebelt folgen als langfristige Anlagestrategie

Es gibt einige Firmen, die seit Jahren oder Jahrzehnten nur eine Richtung kennen: Nach oben. Viele von diesen Firmen sind bekannte Marken oder Dachmarken, wie Nestlé, Procter & Gamble, Coca-Cola, Walt Disney, Alphabet, Facebook und mehr.

Sie steigen und steigen. Relativ langsam und unaufgeregt. Aber stetig. Natürlich gibt es Rückgänge, das gibt es bei jedem Geschäft. Aber im Großen und Ganzen erwachsen diese Firmen aus jeder Krise mit höheren Kursen.

Man könnten nun die Aktien als Altersvorsorge ins Depot legen, und gelegentlich verkaufen, sobald eine größere Krise erkennbar wird. Das ist ganz bestimmt ein sehr gutes, langfristiges Investment mit guten Jahresrenditen. Doch es geht auch noch besser.

Banken wie UBS, HVB oder Lang & Schwarz bieten auf viele große Aktien sogenannte Hebelzertifikate an. Das sind strukturierte Produkte (Vorsicht: risikobehaftet, nicht für jeden geeignet!), die zwar ein höheres Risiko für Verlust haben, aber auch im Plusbereich besser Performen. Ein moderater Hebel von 2-5 reicht bereits aus, um überproportional an Kursentwicklungen zu verdienen.

Erreicht ein Kurs nun eine Unterstützungslinie, ist es mit einem Risiko von wenigen Punkten wahrscheinlich, dass eine Trendfortsetzung in Gang kommen könnte. Dann ist es für den Privatmann möglich, kleinere Posten solcher Zertifikate zu kaufen. Bricht der Trend, kann ein Ausstieg schnell erfolgen. Setzt sich der Trend fort, kann ein Anleger bei 50% Kursplus der Basisaktie schnell 100% bis 250% Gewinn erwirtschaften.

Dass dieses Vorgehen ganz unaufgeregt und sicher funktionieren kann, hat Dr. Michael Proffe von Proffe publishing bewiesen. Er schaffte es nachweislich, mithilfe dieser Technik innerhalb von nur 10 Jahren ein 30.000 Euro Depot auf über 1 Mio. hoch zu traden. Trotz Krisenjahren.

Fazit

Trendfolgestrategien sind zurecht beliebt und funktionieren oft gut. Selbst ein Anfänger kann sie anwenden. Zwar gibt es je nach Herangehensweise gewisse Nachteile, und das richtige Instrument sollte mit Bedacht gewählt werden, aber hat man sich auf ein paar richtig gute Firmen eingeschossen, kann man den Trend wunderbar mitnehmen.

Und das Ganze ohne die Kopfschmerzen, die Wirtschaftskrisen, oder andere starke Negativeinflüsse, die andere Marktteilnehmer ertragen müssen. Denn wenn es zu hart kommt, geht der Trendfolger einfach raus und beobachtet an der Spielfeldlinie, bis die größte Schlacht ohne ihn geschlagen wurde.

Dank moderner Bankprodukte kann man sogar nicht nur die Haussephasen mitnehmen, sondern diese auch noch für seine Zwecke hebeln.